„Nach einer Knie-Rekonstruktion raten Medizin und Gesellschaft unisono zur Schonung – warum hast du dich entschieden, den entgegengesetzten Weg der maximalen physischen Belastung zu wählen?“
Die Antwort: Das Bekenntnis zur „Red Zone“
„Die Antwort ist so einfach wie radikal: Weil Schonung für mich keine Heilung ist – es ist der langsame Entzug von allem, was mich lebendig macht.
Als die Experten mir nach der Operation sagten, ich solle ‚vernünftig‘ sein und mich in die Reihe derer einfügen, die sich mit dem Erreichten zufriedengeben, da war das für mich kein ärztlicher Rat. Es war ein Todesurteil für meinen Geist.
Wenn man in der Stille des Aufwachraums liegt und weiß, dass der Körper gerade mechanisch auf ein Minimum reduziert wurde, dann gibt es zwei Wege: Den Weg der Resignation, der bequem ist, weil er keine Erwartungen mehr stellt – oder den Weg in die ‚Red Zone‘. Ich habe mich für den Kampf entschieden.
Warum maximale Belastung? Weil ich nicht nach einem Leben suche, das einfach nur ‚schmerzfrei‘ funktioniert. Ich suche ein Leben, das brennt. Mein Knie ist meine Schwachstelle, ja – aber es ist auch mein wichtigster Lehrmeister. Durch die extreme Belastung, durch die 370 Kilometer am Stück, durch die gnadenlosen Anstiege, zwinge ich mein System, sich neu zu organisieren. Ich lasse mein Gewebe und meinen Verstand nicht in der Komfortzone verkümmern. Ich fordere sie heraus.
Die Medizin sieht das Gelenk als ein mechanisches Teil, das verschleißt. Ich sehe es als eine biologische Herausforderung, die darauf wartet, dass der Wille sie übersteigt. Ich habe mich gegen die Schonung entschieden, weil ich nicht der Beobachter meines eigenen Verfalls sein will. Ich will der Architekt meiner eigenen Belastbarkeit bleiben.
Jeder Kilometer, den ich unter Schmerzen in der ‚Red Zone‘ abspule, ist eine Widerlegung der Prognose, die mir ein Leben in gedrosseltem Tempo vorhersagte. Ich gehe den Weg der maximalen Belastung, weil ich nur dort – an der Grenze zum Unmöglichen – erfahre, was mein Körper mit 62 Jahren wirklich leisten kann, wenn der Kopf nicht mehr bereit ist, ‚Nein‘ zu sagen.“


Schreibe einen Kommentar