Highlander 2007: Wenn Erfahrung auf Asphalt trifft – Mein härtester Kampf
Ich dachte, ich hätte alles gesehen. Wer 1991 den Iron Curtain bezwungen hat und als Single Finisher beim Swiss Power Gigathlon durch die Hölle und zurück gegangen ist, der glaubt, dass ihn nichts mehr erschüttern kann. Ich kannte die „Challenges meines Lebens“. Doch dann kam der 1. Juli 2007. Illmensee. Die Geburtsstunde des Highlanders. Und plötzlich wurde aus Routine ein nackter Überlebenskampf.
Der Aufprall: Ein Veteran geht zu Boden
Ich startete in der Classic-Distanz. Über 200 Kilometer, fünf Disziplinen. Ein Terrain, das ich liebe. Nach dem Schwimmen fühlte ich mich stark, die Inlineskates waren fest geschnürt. Doch der Asphalt von Illmensee nimmt keine Rücksicht auf Titel oder vergangene Siege.
Ein Sekundenbruchteil, eine Bodenwelle bei hohem Tempo – und plötzlich war da nur noch dieses brennende Kreischen. Wenn du mit voller Wucht einschlägst, hörst du zuerst, wie die Straße deine Haut fordert, bevor der Schmerz dein Bewusstsein erreicht. Ich lag da, gezeichnet vom Asphalt, und in mir tobte ein Sturm: Enttäuschung, Wut und das Wissen, dass mein Plan von einem sauberen Rennen gerade in Trümmern lag.
Die Wechselzone: Zwischen Aufgabe und Profi-Hilfe
Völlig lädiert schleppte ich mich in die Wechselzone. Ich war blutüberströmt, der Schock saß tief. Jeder, der mich sah, dachte wohl: „Das war’s für ihn.“ Und ehrlich gesagt, dachte ich es in diesem Moment auch. Aber das Schicksal hatte noch ein Ass im Ärmel: Carmen Knöpfler.
Dort, inmitten der Hektik, traf ich auf diese Ausnahme-Physiotherapeutin. Carmen ist eine Koryphäe im Ultra-Endurance-Sport. Sie wusste sofort, dass sie hier keinen Freizeitsportler vor sich hatte, sondern einen Kämpfer, der gerade seinen Kompass verloren hatte. Während sie meine Wunden versorgte, leistete sie mentale Schwerstarbeit. Die Zeit rann dahin, Platzierung um Platzierung zog an mir vorbei – ein herber Schlag für jemanden mit meinem sportlichen Ehrgeiz. Aber Carmen gab mir das fachliche Vertrauen zurück. Ihr „Go“ war die Erlaubnis, wieder zum Highlander zu werden.
Der Weg zurück: 09:37:11 Stunden pure Willenskraft
Das Rennen war ab jetzt ein anderes. Mein Spiegelbild in der Ergebnisliste würde heute nicht meine eigentliche Form zeigen, sondern nur meinen puren Willen. Jedes Mal, wenn ich nach den brutalen Etappen auf dem Rennrad oder dem Mountainbike völlig entkräftet in die Wechselzone einfuhr, wartete Carmen.
Kurzer medizinischer Check, Wundkontrolle, ein tiefer Blick: „Hält es noch?“ Erst wenn die Expertin nickte, ging es weiter. Diese Stopps kosteten mich massiv Zeit, aber sie waren mein Anker. Ich kämpfte mich durch die Oberschwäbische Alb, getrieben von dem Geist, der mich schon 1991 über den Iron Curtain getragen hatte.
Platz 122: Mehr wert als jeder Sieg

Als ich nach neuneinhalb Stunden endlich den Zielbogen sah, war es kein gewöhnliches Finish. Es war der Sieg über den Zweifel. In der Liste steht der 122. Platz (Startnummer 581). Für Außenstehende nur eine Zahl im Mittelfeld – für mich das Ergebnis einer Grenzerfahrung, die selbst meine Gigathlon-Erinnerungen verblassen ließ.
Es war das maximal Machbare an diesem Tag. Ein Beweis, dass Erfahrung nicht bedeutet, dass man nicht stürzt – sondern dass man weiß, wie man wieder aufsteht.
Mein Dank: Ein riesiges Dankeschön an Carmen Knöpfler. Ohne deine exzellente Betreuung und deine Expertise wäre mein Weg in der ersten Wechselzone geendet. Du hast an diesem Tag nicht nur Wunden geheilt, sondern ein Finish ermöglicht, das ich niemals vergessen werde.

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